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Kapitel 1

Lia starrte erschrocken und neugierig durch die Blätter des Gestrübbs auf das Seeufer.
Trügerische Stille hatte sich über den Silberwald gelegt. Ruhig lag der See da, als würde er tief schlafen. Kaum ein Geräusch wagte es die Stille zu durchbrechen. Am Steg lag ein Boot, aus dickem Holz, vertaut. Seltsame Gestalten beluden das Boot mit in Leinen gewickelten Gegenständen. Lis schätzte die Gegenstände auf die Größe von durchschnittlichen großen Menschen. Sie fragte sich, was so groß und seltsam eingewickelt war und was die Gestalten damit vorhatten.
Langsam tastete ihre Hand in der Umhängetasche nach ihrem Fernrohr. Es ärgerte sie, dass ihre Hand zitterte und sie zwang sich langsam zu atmen, um sich konzentrieren zu können. Sie fragte sich, weshalb sie überhaupt so nervös war, wahrscheinlich waren es nur Menschenarbeiter, die Rohstoffe bargen.


Sie war vor einigen Monaten nach Sturmwind aufgebrochen, auf Wunsch der Elten, sie sollte dort das Stadtleben kennen lernen und einen Lehrer besuchen.
Der Lehrer brachte ihr viel über die "unwichtigen Dinge des Lebens bei", wie ihr Vater immer betonte. Ihre Mutter hingegen war sicher, dass sie es irgendwann brauchen würde. Immerhin sollte sie in naher Zukunft einen Mann finden, heiraten und ihren eigenen Hausstand führen. Lia hatte es ihrer Mutter zu Liebe getan.
Bald konnte sie reiten, nähen, kochen, sticken, singen und wusste viel über Heilkräuter. Sie strengte sich sehr an und der Lehrer war äußerst zufrieden mit ihr.
Als ihr Bruder vor der Schule auf sie wartete, wusste sie, dass etwas nicht stimmen konnte. Vater brauchte ihn selbst dringend, er konnte ihn nicht so weit fortschicken. Lianem kümmerte sich um die Felder und brachte die Kunstwerke ihrer Eltern zu den Käufern nach Brill und die Hügelländer.
Sein Gesicht wirkte ernst und besorgt, obwohl er es zu verbergen versuchte, sah Lia es in seinen Augen.
Ihr Bruder nahm sie zur Begrüßung in den Arm und strich ihr über den Kopf, in vertrauter Innigkeit, wie immer. "Kleine Lia, wie geht es dir? Du bist ja fast schon eine richtige kleine Dame." Lianem deutete auf ihre ordentlichen Haare und die Robe, ein ungewohntes Bild für ihn, und grinste breit. Lia sah ihn gespielt böse an und verpasste ihm einen leichten Schlag gegen den Oberarm, den er sich gefallen ließ. Ihre Stimme klang jedoch ehrlich besorgt. "Liam was tust du hier? Braucht Vater dich nicht?" Lianem, kurz Liam nickte leicht. "Doch, aber das hier ist zur Zeit wichtiger. Lia, Kleines, im Silberwald sind Kämpfe ausgebrochen. Vater und Mutter möchten dich hier in sicherheit wissen, so lange nicht klar ist was nun geschieht. Hörst du? Du musst hier bleiben." Lia runzelte verwirrt die Stirn. "Was für Kämpfe Liam? Sollten sie dann nicht auch herkommen?" Liam schüttelte den Kopf. "Lia, Vater muss vielleicht kämpfen. Es gehen Gerüchte um, dass jemand Getreide vergiftet und damit die Bevölkerung im Norden vergiftet. Wir wollen noch warten, was nun geschieht."
Lia öffnete schon den Mund, um weitere Fragen zu stellen, da lachte ihr Bruder und rief: "Lia! Mach dir keine Gedanken, alles wird gut! Und nun hör auf mir weitere Löcher in den Bauch zu fragen, das tut der hunger schon für dich!" Sie nickte zögerlich und ihr großer Bruder nahm sie an die Hand und fragte sie über das Leben hier und ihren Unterricht aus, während er das nächste Gasthaus ansteuerte.

Wenige Wochen später erhielten sie einen Brief. Geschrieben in kalten, unpersönlichen Buchstaben. Er erklärte, dass ihre Eltern gestorben waren. Vielleicht, vermutlich. Es stand dort etwas von Pflicht dem Vaterland gegenüber, das Haus war niedergebrannt und beide waren nicht auffindbar. Man ging davon aus.
Lia brach zusammen und wurde für längere Zeit krank, als könnte ihr Herz den Schmerz nicht ertragen. Sie konnte nicht glauben, was passiert war. Als sie Tage später aus ihrem totenähnlichen Schlaf erwachte, war Liam verschwunden. In seinem Brief an sie schrieb er, er wolle nachforschen und die Eltern suchen. Vielleicht würde er retten können, was ihnen geblieben war, sie sollte in Sturmwind bleiben und lernen was sie konnte.
Obwohl ihre Tante und ihr Onkel sie aufnahmen, als wäre sie ihr Kind, fühlte sich Lia eingesperrt und aufgewühlt. Sie war hier nicht zu Hause. Sie war eine Fremde.
Es kam ihr vor, als hätte sie ihre Identität verloren.


Das Gefühl des Verlustes, dass sie damals beschlichen hatte, kehte nun stärker zurück, obwohl es nie ganz verschwunden war.
Es waren zwei Sommer vergangen, sie war nun neun Sommer alt und hatte sich kurzerhand für alt genug befunden, in den Silberwald zu reiten und selbst zu sehen, was geschehen war, mit ihrem Leben und ihrer Heimat.
Als sie nun dort saß, im Gebüsch mit zitternder Hand, und durch ihr Fernrohr sah fühlte sie sich unglaublich alt und müde. Sie richtete das Fernrohr auf eine der Gestalten.
Erschrecken kroch ihr durch die Glieder, vermischte sich mit der Kälte der leblosen Umgebung und erfüllte sie mit panischer Angst.
Es war ein Moment der sich in ihr Gedächtnis brannte wie ein Mal und ihr noch Jahre später Träume aus Angst und Hilflosigkeit bescherrten, die ihre Nächte beherrschten.

Die Gestalten die dort arbeiteten waren keine Menschen, es waren Leichen. Lebende Leichen.. Obwohl sie panische Angst hatte, konnte sie den Blick nicht abwenden.
Kaltes, lebloses Fleisch umgab die teilweise freiligenden Stellen der Körper. Kahle Schädel, mit einzelnen Strähnen bestückt lachten sie hämisch kieferlos aus. Sie und ihr Vorhaben, das zum Scheitern verurteilt war. Eine der Gestalten wendete langsam den Kopf und schien sie aus leeren Augenhöhlen anzustarren.
Lia schrie.

1.4.09 14:31
 


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